Feiern und Feste in Italien

18. Dezember 2010 17:01    |    by satyr

Italien ist als Stammland des Katholizismus ein Land, in dem Feiern ganz groß geschrieben wird. Viele der katholischen Heiligen haben hier ihre eigenen Feste und die meisten Städte und Dörfer ihren eigenen Schutzpatron, nachdem die Kirchen benannt wurden und dessen Namenstag einen feierlichen Anlass bietet. Die Vielzahl der Feste aufzuzählen, wäre ein unendliches Verfahren, weshalb hier nur ein Eindruck über die immense Vielfalt der Festivitäten gegeben werden soll.

Im Januar eines jeden Jahres wird in Piana degli Albanesi das Dreikönigsfest am sechsten des Monats mit einem byzantinischen Ritual begangen. Historische Feste und Rituale, mit entsprechender Kostümierung, sind in ganz Italien weit verbreitet. Ganz besonders beliebt sind historische Kostüme beim so genannten Carnevale, dem italienischen Fasching. Ursprünglich ein heidnisches Fest, das in grauer Vorzeit seine Geburt feierte, ist der Karneval nach heutigem Brauch eine christliche Erfindung und das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Fleisch Lebewohl (carne vale). Bis Aschermittwoch ist im Christentum Fleisch erlaubt, anschließend aber kommen die vierzig fleischlosen Fastentage bis Ostern. So hatten schon früher die letzten Tage vor dem Ende des Karnevals ihren absoluten Höhepunkt. Neben der Hochburg Venedig schlagen die Faschingswellen besonders in der Toskana – in einem Ort namens Viareggio – hoch. Hier findet seit 1874 einer der größten Karnevalsumzüge Italiens statt, der auch heute noch die deutlichen satirischen Ideen seiner Geburt mit sich trägt und neben Errungenschaften der Wissenschaft auch meterhohe Karikaturen durch die Straßen lenkt. Der Karneval von Ivrea ist ebenfalls ein besonderes Highlight zu dieser Zeit, denn hier wird die Befreiung der Stadt mit einer großen Orangenschlacht in historischen Kostümen gefeiert.

In Assisi findet in jeder Osterwoche ein Wettstreit der musikalischen Art statt. Assisi liegt nur wenige Kilometer von Perugia entfernt und ist besonders durch den berühmten Mönch Franz von Assisi bekannt geworden. Der Ostermontag steht in Florenz ganz im Zeichen des Scoppio del Carro. Ein Wagen, voll gefüllt mit Feuerwerkskörpern erinnert an die Rückkehr der Kreuzritter. Dieser wird vor die Kathedrale gefahren und durch den Priester vom Altar aus initiiert, während die kostümierten Teilnehmer Flaggen und Standarten schwenken. In Meran feiert man den Ostermontag dahingehend mit einem handfesten Pferderennen der Bauern, bei dem es nicht selten kräftig zur Sache geht.

In Bari wiederum, tief im Süden des Stiefels zu Beginn des Absatzes, direkt am Meer gelegen, feiert man stets am achten und neunten Mai zu Ehren des heiligen Nicola ein Fest in historischen Kostümen. Auf Sardinien allerdings liebt man das Fest des San Elisio, welches ebenfalls im Mai jeden Jahres gefeiert wird. Dieses Fest entstand zum Dank der Erlösung von der Pest im Jahre 1657 in Cagliari. Auch heute noch wandern zur Erinnerung daran tausende Pilger von hier aus – dem Bild des Heiligen in traditionellen Kostümen folgend – zur Stadt Nora. Einen heidnischen Ursprung hat die Schlangenprozession von Cocullo, einem Ort zwischen Rom und Pescara gelegen. Hier folgen heute die Dorfbewohner in jedem Mai der Statue des San Domenico durch die Straßen und tragen dabei lebende Schlangen mit sich rum. Für Armbrustbegeisterte ist Gubbio – nahe Perugia – in diesem Monat die richtige Anlaufstelle. Hier wird ein Armbrustschützenwettbewerb ausgetragen, der in mittelalterlichen Kostümen auf dem Stadtplatz stattfindet. Am 15. Mai werden im Rahmen des Ceri-Rennens drei Schreine aus Holz auf den Monte Ingino getragen. Am Himmelfahrtstag begehen dann über 300 Personen in Tracht und mit Musik die Sardinische Kavalkade, die in Sassari stattfindet.

Wieder in Florenz steht der Juni dann im Zeichen des Calcio – des Fußballspiels. Nicht des Modernen der A-Liga oder gar der Länderspiele, sondern das traditionelle, kostümierte Fußball aus dem 16. Jahrhundert, wo die Bewohner 1530 trotz der Belagerung der Stadt durch Karl V. einfach Fußball spielten um ihm ihre Verachtung zu zeigen. Berühmt ist die Regatta von Pisa, bei der reichgeschmückte Boote aus den vier Stadtvierteln gegeneinander antreten. Auch im Juni findet der Tag der Republik statt, der in Rom mit Militärparaden und Blaskapellen gefeiert wird. Im Juni und Juli feiert man in Spoleto ein Kulturfest mit Kunstausstellungen, Musik, Theater, Ballett und Filmaufführungen.

Mitte Juli erinnert ein folkloristisches Fest mit religiösem Charakter an das Ende der Pest 1225, welches angeblich nach dem wieder auffinden des Leichnams der Heiligen Rosalia geschah. Im Juli und August findet dahingehend in Siena das Rennen ohne Sattel statt, welches auf das 15. Jahrhundert zurückgeht. Siebzehn Reiter rasen dann um den Campo herum und anschließend beginnen die Umzüge und ein farbenprächtiger Wettbewerb im Fahnenschwenken. Ebenfalls zur Monatswende heißt es in Verona Bühne frei für die berühmte sommerliche Opernsaison.

Nahe der Adria, zwischen Ancona und L’Aquila in Richtung der Abruzzen, liegt Ascoli Piceno. Hier wird Anfang August die so genannte Quintana abgehalten, die bereits auf das 15. Jahrhundert zurückgeht und ähnlich wie in Arezzo farbenfrohe und spektakuläre Turniere beinhaltet. Ebenfalls in diesem Monat findet in La Spezia die berühmte Ruderregatta am ersten Sonntag des Sommermonates statt. Auf Sardinien wird in Nuoro das Fest des Erlösers mit Paraden und Trachtenumzügen im August gefeiert. Sassari ist neben der Kavalkade zu Himmelfahrt auch berühmt für sein Dankesfest zum Ende der Pest im Jahr 1580. Dieses findet alljährlich am 14. August statt und dabei werden riesige Kerzen durch die ganze Stadt getragen. Im August und September ist dann wieder Venedig Schauplatz der großen Biennale, ein internationales Film- und Kunstfestival, das sich weltweiter Beliebtheit erfreut.

Die Stadt Arezzo – zwischen Florenz und Perugia gelegen – richtet am jeweils ersten Sonntag des Monats September ein Sarazenenturnier aus, bei welchem Ritter in authentischen Kostümen auftreten und sich ehrenhaft schlagen. Die Mannschaften werden von den einzelnen Stadtteilen gestellt und die Ritter reiten dann auf eine Sarazenenfigur zu, die mit einem schwenkbaren Dreschflegel ausgestattet wurde. Dieser Flegel ist nicht ungefährlich und holt regelmäßig die Ritter vom Pferd herunter. Ein anderes Fest im September ist der napoleonische Sängerwettstreit bei Piedigrotta nahe Neapel, der immer in den ersten beiden Wochen des Monats stattfindet und von Feuerwerk und farbenfrohen Umzügen begleitet wird. Auch in Sansepolchro findet jedes Jahr ein mittelalterlicher Armbrustschützenwettbewerb statt. Am ersten Sonntag des Monats September findet zudem in Venedig die berühmte Regatta Storica statt, welche mit festlich geschmückten Booten aufwartet. Zudem liefern sich hier die Gondoliere ein großes Rennen. Bergamo, nordöstlich von Mailand gelegen, feiert Mitte Oktober immer die Baracci-Trophäe, eines der wichtigsten Radrennen des Landes. Zudem findet hier zwischen Oktober und November ein großes, viel gerühmtes Opernfestival statt.

Bildquelle: aboutpixel.de / Maskerade © Gabriele Ott

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